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Historie

Die wirtschaftliche Entwicklung von Konstanz wurde seit Jahrhunderten durch die Besonderheiten seiner geografischen Lage bestimmt. Auf einer schmalen Landzunge im See gelegen, konnte sich die Stadt relativ ohne viel Aufwand vor Feinden schützen. Dadurch, dass sie im Schnittpunkt von wichtigen europäischen Fern- und Handelsstrassen lag, bot sie sich im Mittelalter als Handelsplatz geradezu an. Es verwundert daher nicht, dass das Gebiet seit Urzeiten besiedelt wurde und schon von den Römern als grosse Station nördlich der Alpen genutzt wurde.
Römische Stützpunkte wurden im frühen Mittelalter gerne von der Kirche zur Zeit der Missionierung weiter genutzt und nicht selten wurden daraus Bischofssitze. So geschah dies auch in Constantia, welche bereits früh im 6. Jahrhundert zum Bischofssitz erkoren wurde. Das damals grösste Bistum reichte von Ludwigsburg bis zum Gotthard, von Breisach bis Kempten. Schon im 10. Jahrhundert wurden in der Bischofsstadt Münzen geprägt, vorerst noch vom Bischof, später, als das Münzrecht an die Stadt überging, auch von der Stadt Konstanz selber. Die Verbreitung der «Konstanzer Pfennige» in ganz Europa, bis nach England, Polen und Russland, zeigt die internationale Bedeutung dieses Handelszentrum im Mittelalter deutlich auf. Konstanz, Umschlagplatz von Pelzen, Leinen, Gewürzen und Kosmetika, baute 1388 ein imposantes Kaufhaus, welches bis heute Zeugnis für Konstanz als Handelsplatz ablegt.
Die wirtschaftliche Potenz brachte der Stadt auch indirekt einen Vorteil, in dem sie immer wieder von Königen und Kaisern als Tagungsort für ihre Hof- und Reichstage genutzt wurde. Und schon in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts warben die Habsburger um diese interessante Stadt. Denn: Konstanz konnte die Versorgung einer königlich-kaiserlichen Equipage und ihrer Gäste garantieren, die Infrastruktur zur Unterbringung und Verköstigung der Menschen funktionierte bestens und die grosszügige Stadtanlage sowie die repräsentative und reiche Ausstattung auch als Bischofstadt sorgten für die angemessene Kulisse bei Turnierspielen und anderen Festivitäten. Während des berühmten Konstanzer Konzils anfangs des 15. Jahrhunderts, das insgesamt 4 Jahre dauern sollte, hatte die Stadt die zehnfache Menge der ansonsten in der Stadt wohnenden Bevölkerung zu beherbergen, in Zahlen um die 50’000 Personen!
Der wirtschaftliche Niedergang fand seinen Anfang mit dem Schwabenkrieg von 1499, als Konstanz den Thurgau an die Eidgenossen verlor und damit zur Grenzstadt ohne eigenes Territorium wurde. Das Entstehen neuer Alpenpässe minderte weiter das Gewicht der Stadt als Handelsplatz. Ins wirtschaftliche Abseits geriet Konstanz jedoch spätestens in der Reformation, als die Stadt ihre Reichsfreiheit und viele anderen Privilegien wegen ihrer Stellungnahme zum neuen Glauben einbüsste: In Konstanz, vor wenigen Jahren noch Ort, wo die Lehren des Reformators Jan Hus verdammt und Hus selber im Feuer hingerichtet worden war, fassten die neuen Ideen, kräftig unterstützt von Ambrosius Blarer (1492-1564), wiederum rasch Fuss. Die Stadt schloss sich dem Schmalkaldischen Bund der Reformierten an, der jedoch von den Truppen Kaiser Karls V. geschlagen wurde. Konstanz wurde in diesem Zusammenhang belagert und verlor 1548 ihre Freiheiten.
Der Glaubens- und Machtkampf im Dreissigjährigen Kriege zwischen 1618 und 1648 und weit darüber hinaus fügte dem Handel und der Landwirtschaft grossräumig einen weiteren irreparablen Schaden zu, der auch in Konstanz spürbar war.
Nach 1548 kam Konstanz unter habsburgische Landeshoheit und wurde in das vorderösterreichische Verwaltungssystem eingebunden. Die Habsburger, bekannt als Förderer der Städte seit dem Mittelalter, versuchten auch Konstanz wieder zu einer wirtschaftlichen Blüte zu verhelfen. Gerade im 18. Jahrhundert sollten sich die Reformen und Freizügigkeiten von Maria Theresia und Joseph II. nachhaltig auswirken und die Ansiedlung von zumeist aus Genf stammenden Unternehmern in der Textil- und Uhrenindustrie unterstützen.

 

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