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Historie

Die zwischen 1720 und 1733 von Peter Thumb errichtete Barockkirche zeigt noch heute augenfällig das Nachwirken der habsburgisch-österreichischen Herrschaft im Elsass. War nämlich dem Rest von Frankreich dieser Baustil unbekannt, hatte man im Elsass noch 90 Jahre nach der Eroberung durch die Franzosen die spezielle Formensprache des deutschen Barock durchaus gekannt und geschätzt. Gerade der kunstliebende Abt Bernhard Roethelin aus Freiburg im Breisgau kannte die Werke der Vorarlberger Barockbaumeister im benachbarten Schwarzwald und in der Schweiz sehr gut, weshalb er auch einen namhaften Vertreter aus dieser Schule für die Arbeiten an seiner Kirche verpflichtete: Peter Thumb. Auch wollte und konnte man die anderen, mannigfach gewachsenen Kontakte mit dem Nachbarn im Reich nicht einfach durch die Zugehörigkeit zum französischen Königreich abbrechen. Bis heute wird dieses historische Erbe sorgfältig gepflegt.

Peter Thumb

baute zeitgleich mit Ebersmünster auch an Ettenheimmünster und St. Peter im Schwarzwald. Damit die Arbeiten dennoch in seinem Sinne erledigt wurden, hatte er eine ausreichende Anzahl Fachleute und Helfer angestellt, etwa 200 an der Zahl, die nur für die grossen Meister aus dem Bregenzer Wald arbeiteten. Zu einem grossen Teil stammten sie wie Peter Thumb selber aus dem Vorarlbergischen und waren in der gemeinsamen Zunft der Bauleute, der Auer Zunft, organisiert. Dieser Berufsverband, welcher 200 Jahre lang von den, auch durch Heirat untereinander verbundenen Baumeisterfamilien Beer, Moosbrugger und Thumb geleitet wurde, entwickelte das für das katholische Vorderösterreich so typische barocke Ganzheitserlebnis.

Biografisches:
Am 18. Dezember 1681 wurde Peter Thumb als Sohn des bekannten Baumeisters Michael Thumb und der Christina Feuerstein in Bezau geboren. Im Alter von 9 Jahren verlor er innerhalb weniger Tage Vater und Mutter und wurde im Kreise seiner weitläufigen Verwandtschaft grossgezogen. Dabei fand er den Zugang zum Baufach, dem seine Verwandten fast ausnahmslos angehörten. Nach seiner Berufsausbildung als Maurer und Steinmetz in der Auer Zunft bei Christoph Berbig folgten die Lehr- und Wanderjahre. Bereits im Alter von 23 Jahren war er Bauführer und mit 35 Jahren hatte er mehrere Aufträge am Oberrhein und im Oberelsass. Als Baumeister schuf Peter Thumb 34 hervorragende Werke, daneben engagierte er sich für seine Stadt Konstanz, die ihm nach einigem Zögern das Bürgerrecht verliehen hatte, und betätigte sich im Naturalien- und Textilhandel. Im Jahre 1766, mit 85 Jahren, starb Peter Thumb in seinem Haus in Konstanz. Zu seinen Werken zählen unter anderem: Ebersmünster im Elsass, St. Peter im Schwarzwald, die Wallfahrtskirche Birnau am Bodensee, die Stadtkirche von Tiengen und die Stiftsbibliothek St. Gallen.

Gottfried, Andreas und Johann Andreas Silbermann

Kaum ein Name in der Geschichte des Orgelbaues ist so klangvoll wie jener der Silbermanns. Dabei mag verwundern, dass das Orgelideal der Silbermanns nie das Monumentale gesucht hatte, die grössten Werke der Orgelbauer umfassen gerade einmal 47 Register, sondern eher geprägt waren von Sparsamkeit. Diese Sparsamkeit wurde aber sekundiert von höchster Präzision in der Feinabstimmung der Pfeifen (Intonation) und von höchster Qualität der verwendeten Materialien. Die Gehäuse waren immer aus Eichenholz gefertigt und schmeichelten dem Auge durch Eleganz und dekorative Ausstattung.
In der geschickten Verquickung von deutscher Tradition und der erwähnten «französischen Sparsamkeit» lag letztlich der Erfolg der drei Orgelbauer. Zeitgenossen schätzten den warmen Klang der Silbermann-Orgeln und Kenner sprachen davon, dass Johann Sebastian Bachs Werke am besten auf einer ihrer Orgeln zur Geltung kommen könne. Im Elsass, dem Wirkungskreis von Andreas Silbermann und seinem Sohn Johann Andreas, kam hinzu, dass man die Orgel als Musikinstrument über alle Massen liebte und ihr attestierte, am besten zum Lob Gottes in der Kirche beitragen zu können.
Nur zwei Werke von Andreas Silbermann sind nahezu authentisch erhalten geblieben: die Instrumente in Marmoutier und Ebersmünster.

Biografisches:
Die Brüder Andreas und Gottfried Silbermann wurden in Klein-Bobritzsch in Sachsen geboren. Andreas liess sich 1701 mit 23 Jahren in Strassburg nieder, wo er ein Jahr später das Bürgerrecht bekam. Die Lehr- und Wanderjahre führten ihn aber bald nach Paris weiter, wo er während zweier Jahre bei François Thierry das «Französische» zu perfektionieren suchte. Unter König Ludwig XIV. schaute ganz Frankreich natürlich nach Paris, und Silbermann wies nach seiner Pariser Zeit beste Qualifikationen aus und erhielt Aufträge von vermögenden Kirchgemeinden und Klöstern. Dennoch blieb sein Wirkungsfeld am Oberrhein bestehen. Der inzwischen in Strassburg angelangte jüngere Bruder Gottfried machte seine Ausbildung bei Andreas, er jedoch kehrte in den sächsischen Raum zurück.
Von Andreas und später von seinem Sohn gingen Impulse aus, die einen unvergleichlichen Aufschwung der elsässischen Orgelkunst iniziierten, der bis zur Französischen Revolution von 1789 andauern sollte. Im 19. Jahrhundert führten die Brüder Callinet und Michael Steihr in gemässigter Form diese von Silbermann geprägten Traditionen fort.

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