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Historie

Der Bregenzerwald entwickelte sich innerhalb von Vorarlberg, auch bedingt durch seine abgeschiedene Lage, auf eigenen Wegen. Die erste Besiedlung der Jahrtausendwende durch Rodungsklöster wurde wieder aufgegeben, und erst der unter dem Hause Montfort einsetzende systematisch Landesausbau führte zu einer dauernden und langsam wachsenden Besiedlung des alpinen Landes. Dazu hatte es umfangreicher Rodungsprivilegien bedurft. Der Ertrag für die montfortische wie habsburgische Herrschaft lag vor allem im Unterhalt des Wegnetzes und der Pflege der Jagdreviere. Die Selbstverwaltung mag den späteren Erfolg mitbegründet haben, war sie doch begleitet von einfachen und effizienten Strukturen.

Die Anfänge des zünftischen Bauhandwerkes lassen sich nicht mehr darstellen. 1459 lag Vorarlberg im Einflussgebiet der Strassburger Hütte und erst später ging die Aufsicht auf das näher liegende Innsbruck über. Die Ausbildung mit den nachfolgenden Gesellen- und Wanderjahren führten die angehenden Berufsleute weit in die benachbarten Länder, wo sie die Entwicklung der Baustile verfolgten und ihre Erfahrungen mit nach Hause brachten.
Noch immer aber ist ungeklärt, was dazu führte, dass die vielen Baumeister barocker Bauten aus dem Bregenzerwald kamen. Die politischen Strukturen wie die Verbundenheit zur heimatlichen Zunft der Bauhandwerker trugen dazu wohl bei, ohne diese Erscheinung ausreichend zu erklären. Jedenfalls begannen die Familien Beer, Kuen, Moosbrugger und Thubm um 1600, Bauten im Stil des Barocks zu errichten und zwar in einem geografisch weiten Raum, der über die heutige Schweiz, das Elsass, den Schwarzwald bis hinein nach Schwaben reichte. Ein grosser Vorteil bei der Erstellung dieser Werke war, dass sie als Generalunternehmer arbeiten konnten, da sie aus dem Bregenzerwald alle für einen Bau notwendigen Kräfte verpflichten konnten. So zogen oft zweihundert Männer aus, um vom Frühjahr bis in den Spätherbst rasch und entschlossen ein Rathaus, eine Kirche oder ein Kloster zu errichten.
Die bald zahlreich ausgeführten Werke und die gute Organisation führten innert weniger Jahrzehnte zur Herausbildung einer eigenen Vorarlberger Schule, welche das «Münsterschema» entwickelte und erfolgreich anwandte. Im Umfeld der Schule entstanden auch die «Auer Lehrgänge» welche nebst theoretischen Grundlagen auch Plankopien ausgeführter Bauwerke enthielten. Diese Lehrgänge dienten vor allem Kaspar Moosbrugger bei der Ausbildung seiner Landsleute.
Mit dem Wandel des Barocks und des verspielten Rokokos zu den strengen Formen der Klassik nahm die herausragende Stellung der Vorarlberger Barockbaumeister ihr Ende. Einige wenige blieben dem Baufach treu, die meisten engagieren sich in anderen Berufen.

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