Auf den Spuren der Habsburger

St. Blasien

Gepflegte Kuranlagen und ausgedehnte Wanderwege sowie das reizvoll wilde, von Tannenwäldern umgebene Südschwarzwald-Tal der Alb verleihen dem heilklimatischen Kur- und Kneipport neben dem berühmten Dom mit seiner Kuppel sein äusseres Gepräge.
Viele kulturelle Veranstaltungen, etwa die beliebten Sommerkonzerte mit internationalen Gastensembles oder die mittlerweile bereits traditionellen Holzbildhauer-Tage mit Künstlern aus aller Welt gehen von der Aktivität des Klosters St. Blasien aus. Das ehemalige Benediktinerkloster vermag damit unter dem heutigen Patronat eines Jesuitenkollegs weiterhin seine Kraft zur Förderung von Geist und Seele für eine grössere Region zu entfalten und damit seine spezifische, klösterliche Zentrumsfunktion zu wahren.

Historie

3. Jh.
wandern Alemannen in die rechtsrheinischen Gebiete ein.
9. Jh.
Gründung der «cella alba» des Klosters Rheinau im Albtal. Hier treffen bis hinauf zum Schluchsee noch die Interessen der Klöster St. Gallen, Reichenau und Allerheiligen aufeinander.
10. Jh.
Loslösung der Zelle vom Mutterkloster und Entstehung des selbstständigen Klosters St. Blasien. Herausragende Stellung in der monastischen Reformbewegung der Zeit. Beginn der Gründungen von eigenen Klöstern. Nahe Stellung zu den Herzögen von Rheinfelden (Rudolf v. Rheinfelden).
1065
Bestätigung des mittlerweile beträchtlich angewachsenen Klosterbesitzes durch Heinrich IV.
vor 1254
Der Stauferkönig Konrad IV. verpfändet die Kastvogtei über das Kloster St. Blasien den Grafen von Habsburg. Zuvor lag diese in den Händen der Grafen von Wehr respektive der Zähringer.
1272
Rudolf von Habsburg ergreift gewaltsam Besitz von der Herrschaft der Herren von Werrach und von Klingen. Er zerstört die Burg Werrach und verdrängt auch die Ansprüche des Bischofs zu Basel. Die Habsburger werden zu einer ernstzunehmenden Macht u.a. im Schwarzwaldgebiet, das Kloster bindet sich nun enger an dieses Adelsgeschlecht.
1322 Brand des Klosters.
1328
Im Rodel des Klosters St. Blasien werden Höchenschwander Siedlungen als Klosterbesitz ausgewiesen.
1330
St. Blasianische Lehensbriefe über die Höfe Höchenschwand und Wittlisberg.
1469-77
Der Hotzenwald, Klostergebiet, wird von Herzog Sigmund von Österreich verpfändet und kommt für 8 Jahre unter burgundische Herrschaft.
1525/26
Verwüstung des Klosters im Bauernkrieg.
1597
verpfänden die Habsburger die hohe Gerichtsbarkeit innerhalb des «Twing und Bann» St. Blasien.
1613
Kauf der Herrschaft Bonndorf, das Kloster wird Territorialherr.
1634
Während des Dreissigjährigen Kriegs wird vor allem der Hotzenwald ein Ort erbitterter Kämpfe und Plünderungen. Die Schweden plündern auch das Kloster St. Blasien.
1684
kommt Dogern an das Kloster St. Blasien.
1719
In Remetschwiel anlässlich des «Dinggerichts» kommt es zum offenen Aufruhr der Klosterleute gegen ihr Kloster. St. Blasien möchte nämlich die Leibeigenschaft aufrecht erhalten. Dies ist der Beginn der unter dem Namen «Salpetererunruhen» in die Geschichte eingegangenen unruhigen Jahre, die bis 1746 anhalten. Vor allem auf dem Höchenschwander Berg sammeln sich die Klosterleute und geben dem Protest ein Gesicht.
1720
Der «Vertrag von Dogern», Einigungsvertrag zwischen dem Kloster, dem habsburg-österreichischen Waldvogt (mit Sitz in Waldshut) und den Untertanen von St. Blasien im Hotzenwald.
1727-47
Franz II. Schächtelin, bedeutender Abt des Klosters. Unter ihm Neubau der Klosteranlage durch den Vorarlberger Barockbaumeister Johann Michael Beer von Bleichten.
1728-46
Die Salpeterunruhen brechen aus. Viele der aufrührerischen Bauern ereilt das Schicksal der Verbannung in das Banat/Ungarn. Die Leute vom Höchenschwander Berg wandern in der Folge auch freiwillig in das habsburgische Ungarn aus, zu einer Zeit, in der die Auswanderungswilligen eher nach Übersee wollten.
1746
Ab 1746 Erhebung der st. blasischen Äbte durch die Habsburger in den Reichsfürstenstand.
1764-93
Martin II. Gerbert, bedeutender Abt des Klosters, grosser Theologe und Gelehrter. Unter ihm Konzept und Bau der Kuppelkirche, der drittgrössten Kuppelkirche Europas, nach dem grossen Brand von 1768.
1768
wieder ein grosser Brand, der das Kloster verwüstet.
1770
Fürstabt Martin lässt die Gebeine von 14 Habsburgern aus der Schweiz in die neu erbaute Kirche überführen und macht so St. Blasien zu einer Habsburger Grabeskirche. Erst 1783 kann die Kuppelkirche aber geweiht werden.
1806
Ende der habsburgisch-österreichischen Herrschaft über St. Blasien. Das Kloster kommt zum Grossherzogtum Baden und wird säkularisiert. Die Mönche wandern nach St. Paul im Lavantal in Kärnten aus.
1874
Die im Kloster einquartierte Baumwollspinnerei des Fabrikanten Grether aus Schopfheim brennt und vernichtet die Konventsgebäude, den Chor und die Kuppelrotunde der Kirche.
1910
beginnen nach alten Plänen endlich die Restaurationsarbeiten.
1931
Die Klosteranlage kommt in den Besitz des Jesuitenkollegs Stella Matutina aus Feldkirch.
1946
Nach der nationalsozialistischen Herrschaft wieder Erblühen der Jesuitenschule, die sich eine internationale Achtung verschafft.
1974
Die Gemeinden Albtal (früher Immeneich und Schlageten) und Menzenschwand werden im Zuge der Gemeindereform eingemeindet.
1977
Grossbrand, das verheerte Kolleg wird grosszügig renoviert und teilweise neu gebaut.

Verkehrsanbindung


St. Blasien ist auf der B500 bequem mit dem Auto zu erreichen.


Es besteht ein öffentliches Busnetz, an das St. Blasien angeschlossen ist (Linienbusverkehr ab Waldshut, Schluchsee oder Seebrugg). Die Bahnhöfe sind an das Busnetz angeschlossen (Internationale Oberrheinstrecke Frankfurt-Freiburg-Basel-Waldshut-Titisee).

Service

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Das Begleitbuch zur Aus-
stellung "Die Habsburger
zwischen Rhein und Donau"
können Sie bestellen:

 

Für die Schweiz:
Frau Margrit Weber
Neudörfli 1
5600 Lenzburg

 

Für den EU-Raum:
Museum für Stadtgeschichte
Münsterplatz 30
DE-79098 Freiburg

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