Auf den Spuren der Habsburger

Historie

Ist von der Geschichte von St. Blasien die Rede, dann meint man eigentlich die Geschichte des gleichnamigen Rodungsklosters, welches beherzte Benediktiner im Mittelalter zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum in der Wildnis des Schwarzwaldes auszubauen vermochten.
Das Kloster St. Blasien entwickelte sich aus einer bescheidenen Zelle des Klosters Rheinau im 9. Jahrhundert heraus, die gemäss ihrer Lage im Albtal «cella alba» genannt worden war. Die Beweggründe der Loslösung von Rheinau liegen bis heute ungeklärt in den Geschichtsbüchern der damaligen Zeit verborgen, sicher ist nur, dass es sich um eine verwickelte Geschichte von Rechten und Vorherrschaften handeln muss. Dazu muss gesagt sein, dass der Schwarzwald zur Zeit des Landesausbaues in Europa als Pionierland galt, welches demjenigen gehören sollte, der es zuerst urbar machen konnte. Gerade um diese Herrschaft rangen zahlreiche Grafen und Freiherrengeschlechter wie diejenigen von Klingen, von Werrach, von Tiefenstein, von Nellenburg, von Habsburg oder die bedeutenden Staufer und Zähringer. Die potentesten Wirtschaftspioniere stellten aber im Mittelalter immer die Klöster, weshalb sich im genannten Gebiet die Geistlichkeit von Basel, Schaffhausen (Kloster Allerheiligen), Rheinau, Säckingen, Beuggen oder im Laufe des 10. Jahrhunderts St. Blasien ebenfalls an der Ausmarchung von Macht und Herrschaft beteiligte. Wir wissen, dass die Habsburger noch als Grafengeschlecht im 13. Jahrhundert die Vorherrschaft an Hoch- und Oberrhein zu erlangen vermochten, wobei sich vor allem Graf Rudolf IV. von Habsburg als kühner Ritter und geschickter Taktiker auswies. Er bezwang etwa die Herren von Tiefenstein oder diejenigen von Werrach, verband sich durch Heirat mit den vermögenden Grafen von Hohenberg, und konnte als treuer Diener der Stauferkönige auf einige Privilegien hoffen. Tatsächlich erhielt er einmal den Dank Konrads IV., der ihm die Kastvogtei über St. Blasien zusprach.
Als mit Rudolf die Habsburger im Jahre 1273 auch erstmals Könige im Reich wurden, war die Herrschaft im Schwarzwald gesichert, und das Kloster St. Blasien lehnte sich eng an seine Landesherren an und empfahl sich ihnen öfters als Geldgeber in der Not. Es konnte sich so Privilegien aushandeln, etwa die Ausscheidung eines «Immunitätsbezirkes» (Twing und bann St. Blasien), in welchem die Äbte von St. Blasien nicht nur die niedere, sondern auch die hohe Gerichtsbarkeit ausüben konnten, was heisst, dass das Land und die in ihm wohnenden Menschen direkt dem Kloster und nicht mehr dem König unterstanden. Sie wurden lange Zeit später recht eigentlich als «Leibeigene» von St. Blasien angesprochen, und auch so behandelt.
Diese Bauern, die als «Leute auf dem Wald» bekannt waren und als Klosterleute das Gebiet des heutigen Hotzenwaldes urbar machten, stiessen sich gerade an dieser Regelung. Ihrerseits pflegten sie selber einen engen Umgang mit den habsburgischen Landesherren und erhielten Privilegien, zumal sie auch erfolgreich gegen die Feinde der Habsburger in den Krieg zogen: der sogenannte «Hauensteinische Landfahnen» war bekannt für seine geschickte Schlagkraft. Der Dank der Habsburger sah etwa vor, dass die Gemeinschaft der Bauern, Hauensteiner genannt, ein eigenes Siegel- und Fahnenabzeichen führen durften, und dass sie in ihrer Einung gar eine eigene Steuerhoheit einführen durften. Selbstbewusst sprachen diese Rodungsbauern denn auch von ihrer «Grafschaft Hauenstein», was de facto eigentlich noch immer eine habsburgische Vogtei war.
Die Hauensteiner und das Kloster St. Blasien gerieten im 18. Jahrhundert aufgrund ihrer jeweiligen Privilegien bös in Streit. Die Unruhen gingen als «Salpetererunruhen» in die Geschichte ein, ihren Höhepunkt hatten sie in den 1730-er und 1740er Jahren. Das Kloster war letztendlich Gewinner der Auseinandersetzungen, und standen als solvente Geldgeber für ihre Landesherren offenbar auch mehr unter der Protektion des Hauses Habsburg-Österreich. Wurden die Rädelsführer der Bauern nämlich entweder hingerichtet oder nach Ungarn ausgesiedelt, wurden die Äbte in den Reichsfürstenstand erhoben: Abt Franz II. wurde 1746 zum ersten Fürstabt von St. Blasien erhoben.
Die Erhebung in den Reichsfürstenstand lag jedoch wesentlich im Umstand mit begründet, dass das Kloster im 18. Jahrhundert eine Zeit höchsten wissenschaftlichen Ruhmes erlebte durch die hervorragende Ausbildung, die die Mönche in auswärtigen Universitäten geniessen durften. Pater Marquart Herrgott beispielsweise, in St. Germain bei Paris mit dem Geist der Mauriner vertraut gemacht, begründete eine reiche Forschertätigkeit in seinem Heimatkloster. Fürstabt Martin II. Gerbert krönte schliesslich die begonnenen Arbeiten an einer Kloster- und Landesgeschichte mit seiner «Germania Sacra» und mit seiner «Historia Nigrae Silvae», in der er den Schwarzwald treffend eine Kolonie der Benediktiner nannte.
Mit dem Untergang des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 1806 endete die habsburgische Herrschaft und das Kloster wurde säkularisiert. Jäh wurde damit die klösterliche Erfolggeschichte von St. Blasien beendet, und der Auszug der Mönche nach St. Paul im Lavanttal in Kärnten mag diesen Untergang bildlich veranschaulichen. Bis heute wird dort die Tradition von St. Blasien weiter gepflegt, unter anderem jene, eine der Grabeskirchen der Habsburger zu sein, zogen doch 1806 mit den Mönchen auch die sterblichen Überreste jener Habsburger mit ins Lavanttal, die in St. Blasien begraben lagen.
In die verlassenen Klostergebäude zogen nacheinander eine Gewehrfabrik und eine Spinnereimaschinenfabrik ein. 1931 gingen in der Folge die Gebäude in den Besitz der deutschen Abteilung des Jesuitenkollegs von Feldkirch über. Die Jesuitenschule musste aber zu Beginn der Naziherrschaft 1938 ihre Tore vorübergehend schliessen, und einige der Jesuiten wurden für ihre Überzeugungen ermordet. 1946 öffnete die Schule wieder und unterrichtet heute über 800 Jungen und Mädchen, wovon 300 im eigenen Internat leben. Mit ihren Partnerschulen in zahlreichen europäischen Ländern, und in China, behält sich das Kloster, wie seit eh und je, seine Weltoffenheit und vermag aus dem engen, einst kargen Schwarzwaldtal kulturelle Impulse zu setzen.

Lage

Aus den sogenannten Bruder- und Lehenshöfen des Klosters St. Blasien entwickelten sich im Mittelalter die St. Blasien noch heute umgebenden Dörfer, vor allem jene auf dem Höchenschwander Berg.
Während der Jahrhunderte verlief die Siedlungsentwicklung in gemächlichem Tempo. So begegnen wir dem typischen Haufen- oder Strassendorf noch heute. Die Flurnamen weisen darauf hin, dass früher jeder dieser Einzelhöfe seine landwirtschaftlich genutzte Fläche in unmittelbarer Nähe gehabt haben muss. Die Namen «Hausmatten» und «Hofmatten» haben die Flurbereinigungsmassnahmen überdauert.
Auf die Rodungsaktivitäten der «Leute auf dem Wald», die von den Klöstern, neben St. Blasien auch von Säckingen, Reichenau und der Kommende Beuggen ausging, weisen die Namen mit –schwand hin: schwenden war der Begriff für die Brandrodung von Waldgebiet. Somit hat sich im Landschaftsbild und in den Namen die benediktinische Regel bewahren können, wonach ein Kloster und jedes seiner Höfe wirtschaftlich auf sich allein gestellt zu sein habe (Autarkie).

 

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