Otto von Habsburg verstorben: ein grosser und überzeugter Europäer ist nicht mehr
Otto von Habsburg kam am 20. November 1912 als erster Sohn von Erzherzog Karl und Erherzogin Zita von Bourbon-Parma in Reichenau (Niederösterreich) zur Welt. Sein Vater wird 1916 nach dem Tod seines Grossonkels Franz Joseph Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn. Kurz nach dem Zusammenbruch der Doppelmonarchie und der Ausrufung der deutschösterreichischen Republik am 12. November 1918 verliess Karl mit seiner Frau Zita und seinen Kindern am 23. März 1919 Oesterreich und nahm zunächst Wohnsitz in der Villa Wartegg bei Rorschach (Schweiz), einem Besitz der Familie Zitas. Da das Haus als zu klein erschien, zog die Familie später nach Prangins (Kanton Waadt) um. Damit begannen die Exiljahre, die die Familie von der Schweiz nach Madeira, Spanien und Belgien führten. Otto studierte in Löwen und doktorierte 1935 mit der Dissertation: „Coutumes et droits successoraux paysans en Autriche“.
1938 versuchte Otto von Habsburg, in letzter Minute den Anschluss Oesterreichs an das deutsche Reich zu verhindern und wurde von Hitler wegen Hochverrats steckbrieflich verfolgt. 1940 gelang Otto von Habsburg unter abenteuerlichen Umständen die Flucht aus dem inzwischen von den Deutschen besetzten Frankreich über Spanien, und Portugal nach den USA, wo er sich für Emigranten, Verfolgte und Notleidende aus Europa einsetzte und für die Wiederherstellung Oesterreichs arbeitete. 1944 kehrte Otto nach Europa zurück, wo er sich kurze Zeit in Oesterreich, im Uebrigen aber in Spanien und Frankreich aufhielt.
1951 heiratete Otto in Nancy Prinzessin Regina von Sachsen-Meiningen. Der Ehe entsprossen sieben Kinder. Drei Jahre später zog die Familie nach Pöcking in Oberbayern, wo Otto von Habsburg bis zu seinem Tode lebte. In diese Zeit fiel eine vermehrte schriftstellerische und journalistische Tätigkeit. 1957 wurde Otto von Habsburg zum Vizepräsidenten der Paneuropa-Union. 1966 reiste er erstmals wieder in Oesterreich ein.
1972, nach dem Tod von Richard Coudenhove-Kalergi, wurde Otto von Habsburg Internationaler Präsident der Paneuropa-Union. 1979 folgte sein Einzug in das Europa-Parlament, in welchem er als Obmann seiner Fraktion im Aussenpolitischen Ausschuss und als Vizepräsident der Delegation im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU-Ungarn wirkte. 1989 war er Schirmherr des historischen Paneuropa-Picknicks in Sopron (Ungarn), das letztlich zum Zusammenbruch der DDR und zum Niedergang des Kommunismus in Mitteleuropa beitrug. 1991 setzte sich Otto von Habsburg erfolgreich für die Anerkennung und für die Unabhängigkeit Sloweniens, Kroatiens und später Bosnien-Herzegowinas ein. 1997 war er Alterspräsident des Europäischen Parlaments.
Otto von Habsburg, der fliessend in Wort und Schrift deutsch, französisch, englisch, spanisch und ungarisch beherrschte, publizierte zahlreiche Essays und Monographien sowie Buchbeiträge und Kleinschriften zu insbesondere politischen und historischen Themen.
Wenn Otto von Habsburg auch ein Herrscher-Thron versagt blieb, so hat er, wie wohl kaum einer seiner Vorfahren, mit nie erlahmender Hingabe und tiefer Ueberzeugung entscheidendes für die Völkerverständigung und für die Einigung Europas gewirkt. Otto von Habsburg wird im kollektiven Gedächtnis als einer der grossen Europäer des letzten Jahrhunderts lebendig bleiben.
Vgl. Stephan Baier und Eva Demmerle: Otto von Habsburg, die autorisierte Biographie, mit einem Vorwort von Walburga Habsburg-Douglas, 3.Aufl., Amalthea Signum Verlag, Wien, 2002 (ISBN 3-85002-486-5)




















