Auf den Spuren der Habsburger

Was die Glasfenster bedroht

Modell der Schutzverglasung.

Glas ist ein faszinierender Werkstoff, der aber durchaus seine Eigenheiten besitzt. Erst seit der industrieller Fertigung erreicht Glas die uns heute vertrauten Eigenschaften.
Der Umgang mit den farbigen Gläsern ist schwierig. Das im Mittelalter bei einer Temperatur von 1400 Grad Celsius hergestellte Glas ist weniger stabil als das heute bei 1600 Grad geschmolzene. Viele mittelalterliche Gläser sind daher einer starken Zersetzung ausgesetzt.
Auch die in verschiedenen Techniken ausgeführte Bemalung hat gelitten und ist teilweise fast verschwunden.
Bis ins 16. Jahrhundert hat man die Glasfenster konsequent unterhalten. Danach fand keine Restaurierung mehr statt, erst vor etwas mehr als 100 Jahren setzte ein permanenter Unterhalt wieder ein.
Das grundsätzliches Ziel unserer Arbeit ist: Das Leben der Kulturgüter möglichst zu verlängern.

Die Witterung...

Lochfrass

Tag für Tag, seit bald 700 Jahren sind die Gläser dem Licht der Sonne, der Kälte, dem Regen und dem Wind ausgesetzt. Die Gläser haben unter den Einflüssen der Witterung gelitten.

Ist einmal die Schutzhaut des Glases aufgebrochen, führen chemische Prozesse zu einer fortschreitenden Auflösung des Glases.

... und die Luftverschmutzung

Detail

Viele Abbildungen aus dem 20. Jahrhundert belegen, dass die Glasfenster in dieser kurzen Zeit mehr gelitten haben als in der ganzen früheren Zeit. Man vermutet, dass durch menschliche Einflüsse, vor allem das Heizen und den Verkehr, Russ und Schwefel in die Luft gelangen, welche die Glasfenster zusätzlich angreifen und verdrecken. Auch wenn die Gründe dafür unklar sind, muss diesem Verlust Einhalt geboten werden.

Heute wird daher an Stelle der Glasfenster eine Schutzverglasung angebracht, die originalen Scheiben werden wenige Zentimeter hinter ihrer früheren Position montiert. Damit bleiben die Scheiben immer trocken und sind weniger den Temperaturschwankungen ausgesetzt.

Kriege und Konflikte

Makroaufnahme

Grosse Gefahren drohen den Glasscheiben bei kriegerischen Konflikten, bei welchen in der Vergangenheit hohe Verluste zu beklagen waren.

Diesen Risiken begegnet man heute durch die vorbereitenden Massnahmen des Kulturgüterschutzes. Die Glasfenster sind in stabilen Rahmen gefasst und können rasch demontiert und in Sicherheit gebracht werden.

Die Restaurierung

Leider gefährdet auch eine unsachgemässe Restaurierung den Bestand an historischen Glasfenstern. Zum Teil konnten wir falsch verstandene Montagen wieder rückgängig machen. Zum Teil haben wir originale Teile wiedergefunden und eingesetzt. Wir sind zu Detektiven geworden und freuen uns, wenn wir Fehler unserer Vorgänger korrigieren können.
Auf vielen Stellen wurde die Bemalung erneuert und eingebrannt, wobei die alten Gläser dunkel wurden und durch neue ersetzt werden mussten.
Wir greifen daher möglichst gar nicht in die originale Substanz ein, sondern versuchen, möglichst viel davon zu erhalten.

 



„Die Passion Christi“, die Geisselung nach der Restaurierung 1998.

Vergleiche und Beobachtungen haben ergeben, dass Christus erst seit den Erneuerung im 19. Jahrhundert vor die Geiselsäule zu stehen kam. Die archäologischen Rekonstruktionen belegen, dass Christus die Martersäule umklammert und nicht davor steht.



Eine zentrale Szene aus der Passion Christi, ist die Kreuzigung. Die gestreckte Körperform des Christus ist eine Neuschöpfung der Restaurierung um 1900. Deshalb wurden viele Beobachtungen, Vergleiche und ikonographische Erkenntnisse angestellt und daraus entstand eine archäologische Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes. Dieser stellt Christus mit dem für die Zeit des späten 13. und die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts typischen S-Schwunges dar.

Zustand um 1900.
Rekonstruktion.

so sieht es aus

Seite empfehlen