Title:
Gewusst?

Der Herrscher als Löwe

Seit das Königtum als Herrschaftsform historisch überliefert ist, gibt es Zeugnisse, die von der «Löwenhaftigkeit» des Regenten sprechen. Dirk Jäckel verfolgt in seiner Studie «Der Herrscher als Löwe» Ambivalenz und Überllieferungswege des Sinnbildes vom Raubtier, welches in nachkarolingischer Zeit zum Symbol des starken und gerechten Herrschers geworden ist. Sein Augenmerk gilt besonders dem Hochmittelalter, als die Panegyrik - Literatur der Lobrede - voll von herrschenden Löwen ist, die den Beinamen «der Löwe» erhalten, in England von Heinrich I. bis Eduard I. durchaus aus generationenübergreifend: Löwen bringen Löwen hervor.

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Jäckels materialreiche Arbeit beeindruckt durch die schiere Fülle der herbeigeschafften Belege. Von der Bibel, welche von Löwen dicht bevölkert ist, die in der allegorischen Deutung einmal die Auferstehung Christi, ein andermal den Teufel symbolisieren können, bis hin zu den altorientalischen Prophezeiungen, antiker Schriften, Bestiarien, dem altfranzösischen chanson de geste und frei stehenden oberitalienischen Löwen-Skulpturen reicht das Spektrum der zu Rate gezogenen Quellen. Die motivgeschichtliche Arbeit gibt en passant auch einen kurzen Einblick in Traditionslinien und Denkweisen des antiken und mittelalterlilchen Kulturraums.

Aus: NZZ 25.4.2006: Andrea Gnam: Gut gebrüllt. Eine Studie über Löwen als Herrscher. Zu: Dirk Jäckel: Der Herrscher als Löwe. Ursprung und Gebrauch eines politischen Symbols im Früh- und Hochmittelalter. Böhlau-Verlag, Köln 2006, 389 S.

vgl. in der Wikipedia 

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