Auf den Spuren der Habsburger

Eine Reise durch die romantische Freigrafschaft Burgund

Erzherzogin Margarethe als Witwe
Erzherzogin Margarethe als Witwe
© Kunsthistorisches Museum, Wien

Marguerite d'Autriche (1480 - 1530), die Tochter von Kaiser Maximilian I. und Marie de Bourgogne war eine der herausragendsten habsburgischen Herrscherpersönlichkeiten. Am französichen Hof wurde sie als künftige französische Königin erzogen. Dann fädelte der Kaiser ihre Heirat mit dem spanischen Infanten ein und Isabella von Kastilien, die Schwiegermutter, führte sie mit viel Geschick in die Geheimnisse der Leitung eines modernen Staates ein. Ihre Fähigkeit in der Staatskunst konnte sie ein erstes Mal in der Herrschaft über das Herzogtum Savoyen beweisen, das sie an Stelle ihres letzten Mannes Philibert de Savoye leitete und in ein gut organisiertes Staatswesen verwandelte. Nach dem Tod ihres Gatten verweigerte sie eine weitere Heirat und trotzte ihrem Vater eine selbständige Regierungsstelle ab. Als «Lieutenante Générale des Flandres, Gouvernesse et Administratrice» und Erzieherin des künftigen Kaisers Karl V. sorgte sie für Wohlstand, Frieden und Stabilität in ihren Ländern. Am prägendsten war ihr Einfluss sicherlich in ihrer engsten Heimat, in der Freigrafschaft Burgund. Hier, in der Franche-Comté sind auch viele Erinnerungen an die gute Regentin lebendig geblieben - Grund genug, diesem wenig bekannten Teil Frankreichs einen ausführlichen Besuch abzustatten. Dabei ist es nicht immer ganz einfach, hinter der französischen Fassade das habsburgische Erbe auszumachen, doch im Laufe unserer Reise werden wir einen Blick dafür entwickeln. Immer wieder verzaubern uns reizvolle Städtchen und die romantischen Landschaften des Jura und auch der jurassischen Küche und den besonderen Weinen geben wir immer wieder Gelegenheit, uns zu verführen.

Auf den Spuren von Margarethe von Österreich
Auf den Spuren von Margarethe von Österreich.
© GeoGrafik

1. Tag: Basel

Wir treffen uns zwischen 10.00 h und 10.30 im Hotel Euler am Centralbahnplatz in Basel zu einem Willkommensdrink.
Danach fahren wir mit dem Bus nach Belfort.

Belfort

Belfort war von der Mitte des 14. Jahrhunderts bis zum Westfälischen Frieden eine habsburgische Stadt. Heute wird sie überragt durch die von Vauban nach der französischen Eroberung umgebauten Festung. In der renovierten Altstadt ist aber noch etwas von der Stimmung eines vorderösterreichischen Landstädtchens erhalten geblieben.

Baume-les Dames

Unser Weg führt uns weiter nach Baume-les Dames. Baume-les Dames ist ein altburgundisches Adelsstift. Hier soll die Hl. Odilie, die Schutzpatronin des Elsass als blindes Mädchen gelebt und nach der Taufe durch Bischof Eberhard von Regensburg das Augenlicht wieder erlangt haben. Wo diese Taufkapelle sich befunden haben mag, war bis vor kurzem Gegenstand von Spekulationen. Vor zwei Jahren hat nun aber der Pfarrer von Baume diese Kapelle unter einem Keller entdeckt und als «monument national» schützen lassen. Wenn wir nun in den Keller einer ehemaligen Fuhrhalterei einsteigen, gelangen wir mitten in aktuellste Mittelalterarchäologie, wie sie sonst selten zu erleben ist. Im übrigen ist Baume-les-Dames lange Zeit berühmt gewesen für seine Wallfahrten nach Einsiedeln und hat manche Erinnerung an die gute alte Zeit bewahrt. Wenn wir uns sattgesehen haben, fahren wir weiter nach Besançon.

2. Tag: Besançon

Die alte Reichsstadt Besançon ist für sich allein eine Reise wert und so wollen wir uns doch wenigstens einen Tag Zeit nehmen, um uns mit dem heutigen Hauptort der Franche-Comté vertraut zu machen.
Auf unserem Stadtspaziergang gelangen wir zunächst ins Musée d'archéologie et d'histoire. Hier werden wir vertraut mit der Geschichte dieser Stadt, die viele berühmte Leute hervorgebracht hat, etwa: Nicolas Perrenot de Granvelle, den Staatssekretär und Grossiegelbewahrer von Kaiser Karl V., Antoine de Granvelle, Vizekönig von Neapel, oder die Gebrüder Lumière, die Erfinder des Kinematographentheaters und viele andere. Entlang der alten Handelskontore am Doubs gelangen wir zum Hôpital St. Jacques, dem alten Spital der Jakobspilger, dessen mittelalterliche Apotheke einen Vergleich mit der viel berühmteren von Beaune nicht zu scheuen braucht.

Der heilige Berg von Besançon

Den Nachmittag verbringen wir auf dem alten heiligen Berg von Besançon, den Maréchal Vauban nach der französischen Annexion in eine riesige Festung verwandelte. Ihrem eigentlichen Zweck, der Verteidigung der Stadt, diente sie nie, dafür ist sie in manchen schweizerischen Soldatenliedern besungen, denn hier erlebten die für den König von Frankreich angeworbenen jungen Schweizer ihre erste Ausbildung und das war offensichtlich nicht immer schön.

3. Tag: Ornans

Durchs liebliche Tal der Loue führt unser Weg nach Ornans. In habsburgischer Zeit hatte das Städtchen das Recht, Asyl zu gewähren. Als der oberste königliche Gerichtshof einen Flüchtling bis in die Stadt hinein verfolgte und nach Dole ins Gefängnis schaffte, musste er ihn nach einer Eingabe des Magistrats bei Kaiser Karl V. zurückgeben. Berühmtester Sohn von Ornans ist Gustave Courbet, der bedeutendste Maler des französischen Realismus. Im Musée Courbet werden wir vertraut mit Leben und Werk dieses herausragenden Mannes.

Die Saline Royale in Arc-et-Senans

Unsere nächste Station ist die Saline Royale in Arc-et-Senans. Diese Salinenanlage, ein Prunkbau des Architekten Claude-Nicolas Ledoux, hat zwar nie rentiert, erfreut aber bis heute unser Auge. Weniger erfreulich sind die Berichte über die Lebensbedingungen der Menschen, die hier arbeiten mussten.
Die Saline Royale verwendete Wasser, die zum Eindampfen von Salins-les-Bains her zugeführt wurden. In Salins wird seit dem frühesten Mittelalter Salz gekocht und lange konnten das Burgund und die Westschweiz nur mit Salz von Salins versorgt werden. Diese Quelle von weissem Gold sorgte für Reichtum, aber auch für Begehrlichkeit. Heute ist von den alten Anlagen nur noch ein Teil erhalten, aber was wir sehen können. ist immer noch beeindruckend: Produktionsräume, die an Kathedralen erinnern. Hier wird ein Salzwasser verarbeitet, dessen Salzgehalt höher ist als jener im Toten Meer. Wer mag, hat abends die Gelegenheit, in dem heilkräftigen Salzwasser zu schwimmen.

4. Tag: Arbois

Der französische Jura ist berühmt für seine Küche und für seine sehr speziellen Weine. Arbois ist Hauptort des Anbaugebiets der Jura-Weine und war lange Zeit Heimat von Louis Pasteur. Wir besuchen die Maison de Pasteur, in der man stets meint, der Gelehrte werde gleich wieder eintreten und geniessen danach eine Weindegustation mit edlen Tropfen.

Dole

So gestärkt fahren wir weiter nach Dole, der alten Hauptstadt der Freigrafschaft. Dole war Sitz des Parlaments, der Landstände und der Universität. All dies haben die französischen Könige der freiheitsliebenden Stadt genommen, die stets ein Symbol des Widerstands gegen die französischen Ambitionen war. Ihr goldenes Zeitalter erlebte Dole im 16. und 17. Jahrhundert, als die Architekten und Künstler Hugues Le Rupt, Jean Babicant und die Lulliers die Stadt neu gestalteten.
Dole war auch so etwas wie die engste Heimat von Marguerite dAutriche. Immer, wenn ihr wieder ein Mann gestorben war, kehrte sie nach Dole zurück und immer verstand sie es, hier die Herzen ihrer Burgunder zu gewinnen.
Wir schlendern durch die reizvolle alte Stadt, werfen einen Blick ins Geburtshaus von Louis Pasteur und mögen vielleicht auch noch dem Kunstmuseum einen Besuch abstatten.

5. Tag: Louhans

Louhans ist ein reizvolles Kleinstädtchen, in dem die Berufsgenossenschaft der Masthuhnzüchter der Bresse ihren Sitz hat. Die alten Bauernmärkte von Louhans haben noch heute eine überregionale Bedeutung und woraus das Mittagessen bestehen sollte, ist eigentlich ziemlich klar.

Baume-les-Messieurs

Unser nächstes Ziel ist Baume-les-Messieurs, wunderschön gelegen im Cirque de Baume. Das Kloster wurde im 6. Jh. vom irischen Missionar Columban gegründet. Von hier stammen auch die 12 Mönche, die im Jahre 910 das berühmte Kloster Cluny gründeten.
Dass sich die Klosterzucht aber nicht über die Jahrunderte halten liess, zeigt die exemplarische Geschichte des Bernburgers Jean de Watteville aus dem 17. Jahrhundert. Hans von Wattenwyl begann seine Karriere als burgundischer Söldner in den Mailänderkriegen. Im Duell erschoss er einen spanischen Edelmann und wurde danach aus Reue über seine Tat Kapuziner. Das Klosterleben war für den Haudegen aber unerträglich und bei einem Fluchtversuch erschoss er den Prior des Klosters. Aus spanischen Kriegsdiensten musste der Krieger wiederum wegen eines Duells fliehen und bald fand man ihn in Konstantinopel, wo er zum Islam konvertierte und es schliesslich als türkischer Pascha bis zum Gouverneur des Peloponnes brachte. Im Krieg gegen Venedig wechselte er erneut die Seite und forderte als Preis für seinen Verrat die Stelle eines Abtes von Beaume-les-Messieurs. Alsbald bekam der Pascha die Tonsur und begann nun seine Mönche wie Soldaten zu kommandieren. Als sich Louis XIV. im Jahre 1668 anschickte, die Franche-Comté zu erobern, war es der Abt von Baume, der den Städten Ornans, Nozeroy und Gray einredete, sie müssten sich den Franzosen kampflos ergeben. So hat der abtrünnige Pascha wesentliches zum Ende der Habsbugerherrschaft in der Freigrafschaft beigetragen.

Lons-le-Saunier

Wir beschliessen den Tag in Lons-le-Saunier, der zweiten wichtigen Salzsiederei der Freigrafschaft. Heute ist Lons-le-Saunier ein reizvolles Provinzstädtchen, das besonders stolz darauf ist, Heimatstadt von Rouget de Lisle zu sein, dem Komponisten der Marseillaise. Im Kunstmuseum zeugen die flandrischen Gemälde für die enge Beziehung zwischen der Freigrafschaft und den Niederlanden und das historische Museum erlaubt uns einen Blick in die Geschichte.

6. Tag: St. Claude

Eine reizvolle Fahrt durch die Berglandschaft des Jura führt und nach St. Claude. Hier finden wir die ersten christlichen Siedler im Jura. Um 430 liess sich der Hl. Romanus in dem wilden Wald nieder und lebte von Beeren und Wurzeln. Bald schloss sich ihm sein Bruder Lupicinus an und sie gründeten das Kloster Condat, das im Hochjura und im der Schweiz bald viele Priorate sein eigen nannte. Im 7. Jh. war es der Hl. Claudius, der die Geschicke des Klosters prägte. Auch hier liess im Laufe der Jahrhunderte die Ordenszucht nach und mit der Zeit beschäftigten sehr banale Probleme die Bewohner von St. Claude. So ist z.B. ein Prozess zwischen dem Kloster und der Pfarrkirche überliefert zu der wichtigen Frage, welche Glocke lauter läuten dürfe, die des Klosters oder die des Pfarrers. Der Prozess dauerte 40 Jahre bis Kaiser Karl V. persönlich einschritt und ihm ein Ende setzte.

Bourg-en-Bresse

Auf aussichtsreichen Strassen fahren wir nach Bourg-en-Bresse, der Hauptstadt der Agrarregion Bresse. Im Kloster Brou liegt Marguerite d'Autriche begraben. Zu besichtigen ist aber mehr als ein einfaches Grabmal. Mit dem Kloster, das die Regentin 1506 neu aufbauen liess, löste sie ein Gelübde ihrer Schwiegermutter Marguerite de Bourbon ein, das nach ihrem Tod auf deren Sohn Philibert de Savoye übergegangen war, ohne dass er in seinem kurzen Leben Zeit gehabt hätte, es einzulösen. Die Grabmäler von Marguerite, ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter sind von flandrischen Künstlern aus kostbarem Carrara-Marmor gearbeitet, der auf Schiffen die Rhone hinauf transportiert wurde. Sehenswert ist aber auch das Klostergebäude, das noch vor der Kirche errichtet worden war, weil die Regentin festgestellt hatte, dass die Mönche im alten Prioratsgebäude unter Feuchtigkeit litten.
Schliesslich sollten wir uns auch einen Gang durch die Altstadt gönnen, denn viele alte Häuser hier sind wirklich eine Augenweide.

7. Tag: Pontarlier

Nun müssen wir an die Heimfahrt denken. Dazu wählen wir den Weg über die Aussichtsstrassen des Haut-Jura. Bei Champagnolle stossen wir auf das Naturschutzgebiet des Vallée de l'Ain. Unsere letzte Station ist Pontarlier, einst ein wichtiger Etappenort auf der Via Francigena, der grossen Pilgerstrasse des Mittelalters von Canterbury nach Rom. Ein Stadtspaziergang führt uns zur Eglise St. Bénigne, die unter der Herrschaft der Habsburger wiederaufgebaut wurde. Wir beschliessen unsere Reise in den Jura mit einer typisch jurassischen Beschäftigung: der Besichtigung der Fabrik des Anis de Pontarlier. Wenn wir nicht zuviel degustieren, werden wir auch die kurze Fahrt nach Basel noch geniessen können. Gegen 18.00 Uhr treffen wir in Basel ein.

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Museum für Stadtgeschichte
Münsterplatz 30
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