Auf den Spuren der Habsburger

Barocke Kirchen und Orgeln im Fricktal

Der Schutzengel an der Orgel in Frick
Der Schutzengel an der Orgel in Frick
© Kant. Denkmalpflege Aarau

Das ehemals vorderösterreichische Fricktal, heute zum Schweizer Kanton Aargau gehörig, weist einige herausragende Barockkirchen auf. Durch die vorbildlichen Restaurationen der vergangenen Jahrzehnte haben die landschafts- und siedlungsprägenden Kirchenbauten ihre ursprüngliche Strahlkraft wieder zurückgewonnen. In ihrer reichen Formensprache verleihen sie dem Konzept eines barocken Ganzheitserlebnisses auf unterschiedliche Weise Ausdruck. Dieser Gesamtakkord von Farbe und Licht erfährt durch die unvergleichliche «Königin der Instrumente» eine wirkungsvolle Steigerung. Die Orgeln, die sich harmonisch in die Kirchenräume einfügen, öffnen mit ihrer Klangfülle den optischen Eindruck auf die akustische Dimension hin.

Rieseroute
Nahe liegen die Stationen unserer Reise beieinander.
© Geografik

Rheinfelden und die Christkatholische Stadtkirche St. Martin

Kelch aus dem Fricktaler «Schatzkästlein» von Rheinfelden
Kelch aus dem Fricktaler «Schatzkästlein» von Rheinfelden. Ausser den wertvollen Sakralgeräten enthält der Schatz eine Bibliothek, unter anderem mit einem bedeutenden Bestand an Musikalien, die nach und nach wieder eingespielt werden.
© Grebo Biberist

Doppeladler und Bindenschild sind im Fricktal noch immer allgegenwärtige Herrschaftszeichen. Auf Grenzsteinen, Wirtshausschildern oder farbig gefassten Wappenreliefs legen sie noch heute Zeugnis ab von der habsburgischen Herrschaft am Hochrhein. Den militärischen Auseinandersetzungen und Zerstörungen folgte immer wieder ein Aufblühen einer regen künstlerischen Tätigkeit. Einheimische und ausländische Bildhauer, Maler und Stuckateure schufen in Rheinfelden eine fürstlich gehobene Sakralkunst.
Die Stadtkirche von St. Martin wurde 1772 barock umgestaltet. Im Innenraum gilt unser Augenmerk vor allem den Arbeiten am Chorgestühl, den Stuckaturen sowie den Wand- und Deckenmalereien. Unser Führer erzählt uns in einfachen Worten vom barocken Gesamtkonzept des Kirchenbaues und seiner Ausstattung und lässt auch die Truhenorgel im Chor erklingen. Daneben erhalten Sie einen exklusiven Einblick in den wertvollen Kirchenschatz, der einige hervorragende Goldschmiede- und Emaille-Arbeiten sein Eigen nennen darf.

Frick und die Pfarrkirche St. Peter und Paul

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul
Die Pfarrkirche St. Peter und Paul verdankt ihre reiche Ausstattung vor allem südländischen Malern und Stuckateuren.
© Patrick Bircher

Der Kirchenbau thront weit sichtbar über dem Marktorte Frick. Neben der Kirche steht ein Ende des 16. Jahrhunderts errichtetes, nachgotisches Beinhaus mit einer beachtenswerten Kreuzigungsgruppe aus der Werkstätte der Brüder Heinrich und Melchior Fischer.
Der jetzige Kirchenbau wurde im Jahre 1718 eingeweiht. Als Höhepunkt der Raumabfolge erhebt sich im lichtdurchfluteten Chorraum ein majestätischer Hochaltar von 1750. Laut mündlicher Überlieferung soll die Kaiserin Maria Theresia die riesige Krone über dem Altar gestiftet haben. Die wohlwollende Erinnerung daran zeigt das noch heute lebendige Nachwirken der Habsburger im Fricktal. Seit der Anschaffung eines Orgelpositivs lassen sich im Kirchenraum die Möglichkeiten des Musizierens auf zwei Instrumenten erleben. Die Hauptorgel überrascht dabei durch ihre variationsreiche, an der französischen Orgelbautradition orientierten Klangfarbe.

Laufenburg und Mittagshalt

Ansicht Laufenburgs von der deutschen Rheinseite aus
Ansicht Laufenburgs von der deutschen Rheinseite aus.
© Laufenburg-Tourismus

Laufenburg, ursprünglich Sitz der Linie Habsburg-Laufenburg, welche 1408 erlosch, behielt lange Zeit eine überregionale Bedeutung. Der Warenverkehr durch die tosenden Wasserfälle brachte der Stadt einen relativen Wohlstand, der noch durch die Salmfischerei und die Verarbeitung von Eisenerz gemehrt wurde. Diese vorderösterreichische Garnisonsstadt verlor nach dem Dreissigjährigen Krieg ihre Bedeutung. Die im Friedensvertrag von Lunéville verfügte Trennung der Stadt war auch im Wiener Kongress nicht rückgängig zu machen. Die Bevölkerung der beiden Städte hat das Gemeinschaftsgefühl jedoch bis auf den heutigen Tag bewahren können.
Wir folgen den Spuren der Geschichte auf unserem Gang zum Mittagessen. Durch die malerischen Altstadtgassen, vorbei am gotischen Rathaus und über die Rheinbrücke führt der Weg nach badisch Laufenburg. Hier geniessen wir in freundlicher Atmosphäre regionale Speisen, während unser Auge einen herrlichen Ausblick auf die Altstadtkulisse von Schweiz-Laufenburg geniessen darf.

Mettau und die Pfarrkirche St. Remigius

Kirchenschiff mit Chor und Altar
Kirchenschiff mit Chor und Altar
© Kant. Denkmaplflege Aarau

Eindrücklich erhebt sich vor dem Besucher die quer ins Tal erbaute Kirche des Hl. Remigius, ein fränkischer Heiliger, welcher in Mettau seit dem Mittelalter verehrt wird. Als religiöses Zentrum der Talpfarrei, die sich vom Rhein bis zu den Jurahöhen erstreckte, erlangte das Gotteshaus schon früh regionale Bedeutung. Auch die Fürstäbtissinnen aus dem Kloster Säckingen kamen ab und zu zur Sommerfrische in das Mettauer Tal. Um der Messe beiwohnen zu können, wurde für sie eigens im Chor eine kleine Empore eingebaut und die Kanzel auf die rechte Seite des Kirchenschiffes verlegt. Innerhalb der Führung erfahren wir Weiteres über den Sinn und Zweck von Blendwerk und aufgemalten Butzenscheiben.
Das harmonische Zusammenspiel zwischen der dreiteiligen Altargruppe, den fein verzweigten Stukkaturen und den in Rot- und Ockertönen gehaltenen Deckengemälden machen das 1775 errichtete Gotteshaus zur schönsten Rokokokirche des Fricktals. Als eine Besonderheit der Kirche darf der Drehtabernakel angesehen werden, mit welchem man sich leicht den Erfordernissen des Kirchenjahres anpassen konnte.

Service

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Das Begleitbuch zur Aus-
stellung "Die Habsburger
zwischen Rhein und Donau"
können Sie bestellen:

 

Für die Schweiz:
Frau Margrit Weber
Neudörfli 1
5600 Lenzburg

 

Für den EU-Raum:
Museum für Stadtgeschichte
Münsterplatz 30
DE-79098 Freiburg

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