Auf den Spuren der Habsburger

Historie

Ausser den beiden Klöstern Andlau im Elsass und Einsiedeln in Schwyz gab es eine Vielzahl grösserer und kleinerer Grundbesitzer in Endingen, so etwa das Kloster Tennenbach, die Herren von Endingen und die Herren von Üsenberg. Die Üsenberger konnten jedoch als Vögte der Klöster Andlau und Einsiedeln mehrere Güter und Herrschaftsrechte in Eigenbesitz verwandeln. Ihnen zu Diensten waren die Herren von Endingen, die das Schultheissenamt in der Stadt ausübten.
Als Zeichen ihrer Herrschaft errichteten die Üsenberger eine Burg, die heute leider nicht mehr erhalten ist. Diese erste Burg bei Endingen diente vornehmlich der Sicherung der Siedlungskerne um St. Martin und St. Peter. Die zweite Burg, heute wieder unter dem richtigen Namen Kohlenberg (Koliburg) bekannt, wurde südlich von Endingen von dem Geschlecht der Koler erbaut, die mit den Herren von Endingen verwandt waren. Im 14. Jahrhundert wurde sie von den Bürgern von Endingen geschleift, weshalb auch von dieser Burg nur noch spärliche Mauerreste zu finden sind. Die Endinger traten in der Folgezeit auch gegen die Herren von Üsenberg auf und verbündeten sich zu diesem Zweck einmal mit den Herren von Falkenstein, ein anderes Mal mit der Stadt Freiburg. Erst als die Üsenberger im Mannesstamm ausstarben, war diese unruhige Zeit beendet. Endingen kam unter habsburgisch-österreichische Landesherrschaft und wurde wirtschaftlicher Mittelpunkt des nördlichen Kaiserstuhlvorlandes.
Das oberrheinische Gebiet und der Kaiserstuhl waren aufgrund ihrer Lage und den politischen Verhältnissen durch Jahrhunderte hindurch stark von kriegerischen Auseinandersetzungen und Truppendurchmärschen betroffen, so auch während des Dreissigjährigen Krieges (1618-48), als Endingen abwechslungsweise sogar von verschiedenen Parteien besetzt war. Wie an anderen Orten auch, treffen wir in Endingen auf Geschichten von Kriegslist und Täuschung, um eine drohende Belagerung oder Einnahme der Stadt zu verhindern. Im 19. Jahrhundert waren es die napoleonischen Kriege, die dem Oberrheinkreis zusetzten. Nichts desto trotz war aber die Bevölkerung aus verschiedenen Gründen, u. a. wegen den gelockerten Heiratsvorschriften, stark angewachsen, weshalb sich die Kriegslasten verschärfend auf die Situation von Verarmung und Not auswirkten. So wissen wir, dass allein aus Endingen und dem Breisgau zur Zeit der grossen Auswanderungswelle über 400 Menschen in Venezuela ihr Glück suchten. Es entstand die Colonia Tovar, zu der Endingen in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wieder regen Kontakt knüpfte. Dabei zeigte es sich, dass die Siedler in der Abgeschlossenheit ihrer Ländereien ihr Brauchtum des Kaiserstuhls weitgehend bewahren konnten.

Einen detaillierteren Überblick bietet ihnen: Oeschger, Bernhard (Hrsg.): Endingen am Kaiserstuhl. Die Geschichte der Stadt. Endingen 1988.

Lage

In der näheren Umgebung liegen für Abenteuerlustige der Europa-Park Rust. Naturliebhaber kommen in den Ortsteilen Amoltern und Kiechlinsbergen auf ihre Rechnung (Kirschblütenpracht mit über tausend Bäumen, ausgedehnte Rebhänge, Naturschutzgebiet). Kiechlinsbergen bietet daneben eine grosse Zahl historischer Baudenkmäler, so auch das Schloss von 1730, das vom Vorarlberger Barockbaumeister Peter Thumb erbaut wurde. Königlicher Besitz Rudolfs I. von Habsburg war der Stadtteil Königschaffhausen, auf den der Name hinweist. Im nahen Sasbach liegt die Limburg, auf der Rudolf geboren worden sein soll.

Literatur:
Erdmann, Elisabeth (Hrsg.): Endingen. Vom Torli bis zum Brunne. Endingen 1994.
Oeschger, Bernhard (Hrsg.): Endingen am Kaiserstuhl. Die Geschichte der Stadt. Endingen 1988.

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Münsterplatz 30
DE-79098 Freiburg

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