Auf den Spuren der Habsburger

Ebersmünster

Auf der Strasse von Sélestat im Süden oder von Strasbourg im Norden herkommend bietet sich dem Reisenden ein in Frankreich ungewohnter Anblick. Eine imposante, weissgetünchte Barockkirche, deren drei Türme mit Zwiebelhauben bekrönt sind, beherrscht weithin die fruchtbare, typisch mit Pappeln durchsäumte Ebene der Ill im Elsass. Dabei darf ruhig gesagt werden, dass das dazugehörige Bauerndorf völlig überragt wird von der Benediktinerabtei Ebersmünster, die dem Ort den Namen gab. Aber auch die Geschichte der Abtei und Pfarrkirche überstrahlt jene der alten Siedlung aus keltischer und römischer Zeit.
Der Besucher von Ebersmünster findet ausser der interessanten Klostergeschichte und der Pfarrkirche, einem Juwel aus dem Barock, den Charme dieses kleinen Ortes vor, der vor allem durch die vielen Arme der Ill erzeugt wird, die aus dem Bauerndorf ein rustikales Venedig zu machen vermögen.

Historie

Historie
7. Jh. Ein nicht näher bekannter elsässischer Herzog aus dem Geschlecht der Etichonen stiftet die Benediktinerabtei bei der «Novientum» genannten Siedlung an der Ill. Die Reliquien der Thebäischen Legion begründen die überregionale Bedeutung des Klosters.
818 Ludwig der Fromme erhebt das Kloster zur Reichsabtei.
11 Jh. Als reichseigene, mit dem Kloster Reichenau verbundene Abtei war Ebersmünster in den Investiturstreit verwickelt.
1155 Die romanische Klosterkirche wird vom Strassburger Bischof eingeweiht.
1525 Die Abtei wird im Bauernkrieg stark geschädigt, erholt sich dank den ausgedehnten Besitztümern aber rasch von diesem Schlag.
1541 In Schlettstadt, das zu einem Zentrum des Humanismus geworden war, errichten Abt und Mönche einen Sitz, den sogenannten «Prälatenhof».
1632 Im Dreissigjährigen Krieg wird das Kloster durch kaiserliche Hilfstruppen zerstört und die Kirche in Brand gesetzt. Abt und Mönche flüchten zeitweilig nach Schlettstadt.
1653-83 Neuaufbau der Kirche unter Abt Bernhard Roethelin.
1709 Der noch junge Barockbaumeister Peter Thumb ergänzt die Eingangsfassade mit zwei Türmen.
1720-26 Peter Thumb erhält von Abt Candidus Maeder den Auftrag zum Neubau der Konventsgebäude. Noch in dieser Zeit, 1725, lässt der Abt das baufällig gewordene Kirchenschiff abreissen; es wird unter anderem ein Blitzschlag als Ursache dafür vermutet.
1725-27 erhält Peter Thumb daher den Folgeauftrag, die Kirche zu erneuern. 1733 konnte die Dekoration und Ausstattung des Kirchenraums abgeschlossen werden.
1730 Die Weihe der neuen Kirche findet bereits statt.
1791 Die Wirren der Französischen Revolution führen zur Auflösung des Klosters und zum Abbruch vieler Gebäude. Die Kirche dient weiter als Gotteshaus.
1829 erwerben die Marianisten die Reste der Abtei Ebersmünster. Nach deren Vertreibung im deutschen Kulturkampf fallen die Gebäude an die Josephsschwestern von Gueberschwihr, die darin ein Waisenhaus für Mädchen einrichten.
1944 Im Zweiten Weltkrieg wird die Pfarrkirche bei der Befreiung des Elsass nochmals in Mitleidenschaft gezogen. Bei der nachfolgenden Renovation wurden die Türme mit grün glasierten Ziegeln neu gedeckt.
heute Das Kloster beherbergt ein Erziehungsheim für minderbegabte Mädchen, die Kirche ist noch immer ein Haus Gottes.

Verkehrsanbindung


Ebersmünster ist günstig gelegen an der Autobahn A35 oder der Nationalstrasse N83 zwischen Colmar / Sélestat und Strasbourg. Die Ortsstrasse D210 verbindet Ebersmünster mit seiner weiteren Umgebung.


Ebersmünster ist durch eine Busverbindung von Sélestat aus erschlossen.

Service

Buch bestellen

   

Das Begleitbuch zur Aus-
stellung "Die Habsburger
zwischen Rhein und Donau"
können Sie bestellen:

 

Für die Schweiz:
Frau Margrit Weber
Neudörfli 1
5600 Lenzburg

 

Für den EU-Raum:
Museum für Stadtgeschichte
Münsterplatz 30
DE-79098 Freiburg

    Seite empfehlen

    Lesen Sie!

    Eine kurze Geschichte in eigener Sache...

    Titelblatt des Jahrbuchs des Landkreises Waldshut 2009