Auf den Spuren der Habsburger

Radolfzell

Die Stadt Radolfzell, von ihren Anfängen als mönchische Zellenklause bis zur blühenden, reichsunmittelbaren Bodenseestadt, ist heute eher bekannt als Heilsportzentrum mit einem vielfältigen Angebot, etwa den Kuranlagen auf der bei der Stadt liegenden Halbinsel Mettnau. Dennoch will die reizvolle Altstadt mit ihrer autofreien Fussgängerzone erkundet werden, sowie all jene Zeugnisse aus früher Zeit, die auf die bedeutenden Klöster Konstanz und Reichenau verweisen, aber auch auf das Wirken der Habsburger im Bodenseeraum und speziell in Radolfzell. Und wem der «Trompeter von Säckingen» ein Begriff ist, dem sei empfohlen, auch den Spuren von Viktor Scheffel in Radolfzell nachzugehen. Und vor allem wie Scheffel die bis heute schönen Naturlandschaften, mittlerweile unter Schutz gestellt, zu geniessen, die den Ort wie einen grünen Gürtel umgeben.

Radolfzell liegt nordwestlich von Konstanz am Bodensee, dessen Zipfel dort den Namen Zellersee trägt. Die Halbinsel Mettnau teilt den Zellersee vom sogenannten Gnadensee.

Historie

    826 gestattete der Reichenauer Abt Erlebald dem aus alemannischen Geschlecht stammenden Veroneser Bischof Radolf, am Ufer des Untersees auf seit dem 8. Jh. dem Inselklerus gehörenden Boden den Bau einer Kirche und einer Klerikerwohnstätte. In dieser nach ihm benannten «cella Ratoldi» verbrachte ihr Gründer Radolf seinen Lebensabend.
    1100 Neben dieser «Radolfs-Zelle» und einem reichenauischen Herrenhof entstand, durch die Wallfahrten zu den Radolfzeller Hausherren und durch die Marktrechtsverleihung im Jahre 1100 bedingt, ein wichtiger Handelsplatz.
    1267 wurden dem wirtschaftlich blühenden und wohlbefestigten Marktflecken von Abt von Ramstein städtische Freiheiten verliehen.
    1298 verkaufte der Konstanzer Bischof Heinrich von Klingenberg aufgrund der Verschuldung der Abtei Reichenau mit anderen Orten auch Radolfzell an das Haus Habsburg. Radolfzell sollte die nächsten 500 Jahre unter der Herrschaft Habsburg-Österreichs bleiben.
    1415 erhielt Radolfzell als Folge der Ächtung Herzog Friedrichs IV. von Österreich die Reichsfreiheit, denn Friedrich hatte dem auf dem Konstanzer Konzil weilenden Papst Johannes XXIII. zur Flucht verholfen. Der in Freiburg verhaftete Papst wurde darauf in der Radolfzeller Burg als Gefangener des Konzils festgehalten bis zur Zustimmung zu seiner Absetzung, die ebenfalls auf dem Konzil beschlossen wurde.
    1455 kam die Stadt wieder unter habsburgisch-österreichische Herrschaft und die Bürger erwarben zu den bisherigen Rechten neue Privilegien, insbesondere die Vogtei und die damit verbundene Hohe Gerichtsbarkeit.
    1506 gab König Maximilian I., der spätere Kaiser, der Stadt als zweite im Reich eine eigene Halsgerichtsordnung.
    1524/25 Im Bauernkrieg war Radolfzell wichtiger Verhandlungsort, Zufluchtstätte für den hegauischen Adel und unüberwindliches Widerstandszentrum gegen die Aufständischen. Die Stadt hielt einer zehnwöchigen Belagerung stand und wurde durch ein Entsatzheer des schwäbischen Bundes befreit.
    1563 Besuch Kaiser Ferdinands I. in der Stadt. Immer wieder besuchten die Habsburger gerne die Stadt. Dies lag auch daran, dass Radolfzell ein bevorzugter Tagungsort war und daher über eine Infrastruktur verfügte, die einer kaiserlichen Equipage zu genügen vermochte.
    17. Jh. Nach einer Blütezeit Radolfzells im 16. Jahrhundert, verbunden mit einer nicht unbeträchtlichen Grundherrschaft, leitete der 30-Jährige Krieg (1618-48) den wirtschaftlichen Niedergang ein.
    1806 fällt Radolfzell an Baden und wird von 1810 bis 1872 badische Amtsstadt. Mit einer besseren Verkehrsanbindung und dem Entstehen grösserer Industrieanlagen nahm eine neue Blüte ihren Anfang. Die Forderungen des Fremdenverkehrs taten das Übrige, um Radolfzell wirtschaftlich zu fördern.
    1974/75 Gemeindereform: eingemeindet werden Böhringen, Güttingen Liggeringen, Möggingen und Stahringen. In der Folge erhielt Radolfzell den Status einer «Grossen Kreisstadt».

Verkehrsanbindungen


Radolfzell ist über die A81 und die B33 an das Autobahnnetz angeschlossen.


Mit der Bahn erreicht man die Stadt von Friedrichshafen oder von Schaffhausen her. Der Ort selbst ist gut an den regionalen öffentlichen Verkehr angebunden.

Service

Buch bestellen

   

Das Begleitbuch zur Aus-
stellung "Die Habsburger
zwischen Rhein und Donau"
können Sie bestellen:

 

Für die Schweiz:
Frau Margrit Weber
Neudörfli 1
5600 Lenzburg

 

Für den EU-Raum:
Museum für Stadtgeschichte
Münsterplatz 30
DE-79098 Freiburg

    Seite empfehlen

    Lesen Sie!

    Eine kurze Geschichte in eigener Sache...

    Titelblatt des Jahrbuchs des Landkreises Waldshut 2009