Auf den Spuren der Habsburger

Historie

Bereits in alemannischer Zeit war das Schussenbecken besiedelt. War der obere Teil des Schussentals um Ravensburg und Weingarten, zunächst unter fränkischer und danach unter welfischer Herrschaft, wegen seiner Verkehrsanbindung durch einen bedeutenden Handelsweg seit der Zeit der Römer (Donau-Bodensee-Route) eher nach Südwesten und Konstanz ausgerichtet, wandte sich der südostliche Teil des Tales um Tettnang nach Vorarlberg, zumal er unter dem Einfluss der reichen Grafen von Bregenz stand.
Tettnang wird als Montfortstadt bezeichnet nach den Grafen von Montfort. Diese haben keinerlei Verbindung zur französischen und angloromanischen Adelsfamilie gleichen Namens. Die Geschichte dieses Grafengeschlechtes geht vielmehr auf die Pfalzgrafen von Tübingen und die bereits erwähnten Grafen von Bregenz zurück. Als die Grafen von Bregenz um 1160 im Mannesstamm ausstarben, bemühten sich erfolgreich jene von Tübingen um die Erbschaft. Den Anfang machte Hugo von Tübingen, der mit Elisabeth von Bregenz verheiratet war. Dessen Sohn Hugo verlegte das Herrschaftszentrum von Bregenz nach Feldkirch und baute dort die Schatten- oder Montfortburg, nach der er sich fortan nannte. Damit verlegte diese Linie der «Montforter» ihren Einfluss näher zu Rhätien, Frastanz und zum Bistum Chur.
Nach einigen weiteren Erbteilungen war die Herrschaft schon sehr stark zersplittert, wobei die Linie Montfort-Tettnang daraus am erfolgreichsten hervorging: zum einen durch ihre expansive Politik und die Annäherung an das Haus Habsburg, zum anderen sicher auch durch den glücklichen Umstand, dass sie die anderen Familienzweige über 400 Jahre überlebten. Die Montfort-Tettnang nannten sich dennoch bis 1755 zusätzlich «Herren von Bregenz», um ihre glanzvolle Abstammung und ihre Ansprüche auch im Namen sichtbar bleiben zu lassen.
Die Politik der Grafen von Montfort-Tettnang sowie der gräfliche Kunstsinn und die Liebe zur Kultur liessen die Finanzlage der Montforter in Tettnang mehr und mehr prekär werden, wobei der grossartige Schlossbau des Grafen Anton III. in Tettnang die Überschuldung derart gross werden liess, dass die verbliebene Grafschaft 1780 gänzlich an Österreich abgetreten werden musste. Habsburg-Österreich, dass schon lange mit der Montforter Herrschaft geliebäugelt hatte, musste diese jedoch bereits 1806 im Zuge der Reichsauflösung an Bayern abgeben. Weitere Gebietsabtretungen an Bayern regelte der Pressburger Frieden.
Mit dem Übergang an Bayern wurde die Bedeutung Tettnangs als kaiserliches Oberamt geschmälert, denn es wurde in der Folge als bayerisches Landgericht auf eine niedrigere Verwaltungsebene gesetzt. Im Aufstand der Tiroler und Vorarlberger gegen das Haus Bayern begann es im Jahre 1809 daher auch in Tettnang zu gären. Aber erst durch den Pariser Vertrag kam es 1810 an das Königreich Württemberg. Die neuen Herren waren weniger drückend als die alten und in der Revolution von 1848 blieb es in Tettnang relativ ruhig.
Den Anschluss an die Moderne fand Tettnang nach dem 2. Weltkrieg. Dennoch blieb man in der Erneuerung den altbewährten Wirtschaftszweigen treu: so etwa dem bedeutenden Hopfenanbau, dem «Grünen Gold» der Stadt, der von seinen Anfängen im Jahre 1844 bis heute in alter Tradition weitergeführt wird.

Das Buch zur Stadt

Burmeister, Karl Heinz: Geschichte der Stadt Tettnang. Konstanz 1997.

Weitere Literatur (siehe auch im Shop):
Dillmann, Erika (Hrsg.): Tettnang. Ansichten einer Stadt. Tettnang 1982.
Reck, Seppi; Weiss, Roland: Speisen wie die Grafen zu Montfort. Tettnang 1999.

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