Seitentitel:
Tradition und Aufbruch

Tradition und Aufbruch

Reich verzierte Hinterladepistole

In Karls Herrschaft werden die Widersprüchlichkeiten, wie sie in Umbruchszeiten entstehen, deutlich fassbar. So können wir beobachten, dass sich Karl in seinen Zugeständnissen an die protestantischen Reichsstände von der devotio moderna, einer damals neuen Auffassung von Religiosität leiten lässt, die die individuelle Hingabe des Einzelnen an Jesus Christus höher wertet als die an öffentliche Rituale gebundene kirchliche Frömmigkeit. Andererseits unterwirft sich Karl aber der Autorität der Kirche und will daher zum Beispiel am Ritual der rechtmässig erhaltenen Kaiserwürde durch die Krönung durch den Papst festhalten, von deren göttlicher Wirkung er darüber hinaus auch überzeugt ist. Dieses im Mittelalter wurzelnde Traditionsbewusstsein ist auch ein Ausdruck für das ehrende Andenken, das Karl seinen Vorfahren entgegenbringt, die sein Weltreich erst möglich gemacht haben. So verwundert es nicht, dass Karls Reichsreformen immer wieder an die Grenzen seines dynastischen Denkens stossen, was 1552 sogar eine Fürstenverschwörung auslöst, die das Ansehen des Kaisers nachhaltig untergräbt.

Reformwille und Beharrungsvermögen zeichnen auch den letzten Versuch Karls aus, dem Haus Habsburg die Universalmonarchie zu erhalten: Als erster Kaiser des Reichs dankt er freiwillig ab und bestimmt zu Lebzeiten zwei Nachfolger: Sohn Philipp im spanischen Imperium und Bruder Ferdinand im Heiligen Römischen Reich.

Der burgundische Hof
Feierlicher Einzug von Papst Clemens VII.
Fenster schliessen